Einfach mal drauflosgeschrieben

Vorhin hatte ich noch darüber spekuliert, ob ich zur Eigentherapie schreiben sollte, um den Kopf für den NaNoWriMo frei zu bekommen. Ich habe es getan. Das Ergebnis hat mit meinem Thema nichts zu tun, lässt sich aber vielleicht aus- und an anderer Stelle einbauen:

Sie waren bereits gekommen, als der Morgen noch als zaghafte Ahnung von Grau über den Hügeln lag. Lange bevor die Marktfrauen ihre Stände aufschlugen und lange vor dem Karren. Trotzdem waren nicht die ersten. Mehr als ein Dutzend in Decken und Mäntel gehüllter Gestalten wartete bereits auf der Rabenaue. Und dann waren da natürlich noch die Gardisten. Unbeweglich wie Stelen umstanden sie den Blutstein. Ihre Helme und die Spitzen ihrer Lanzen glänzten matt. Kurze Schwerter hingen an ihrer Seite. Die Minen waren steinern.

Carmens Herzschlag beschleunigte sich. Die Männer hatten eine Aufgabe zu erfüllen und würden nicht weichen, bis alles vorüber war. Es war gefährlich, ihnen zu dicht bei ihnen zu stehen und es würde noch gefährlicher werden, wenn sich die Rabenaue füllte und die hinten Stehenden für einen besseren Blick nach vorne drängten. Aber genau deshalb waren sie schließlich so früh aufgestanden: Um sich einen Platz zu sichern, von dem aus sie gut sehen konnten und den besten Blick hatte man, nun einmal, wenn man den Gardisten direkt gegenüber stand.
Sie sah zu Ninni hinüber. Ihre Freundin wirkte müde aber entschlossen. Ihr Gesicht war bleich, die Lippen fest aufeinander gepresst. „Du machst doch jetzt keinen Rückzieher, oder?“, fragte sie, als sie Carmens Blick bemerkte.
Carmen schüttelte den Kopf.
Schweigend gingen sie durch das taufeuchte Gras.
Schweigend standen sie nebeneinander und warteten, während die Nässe ihre Schuhe und Strümpfe durchnässte und in ihren Röcken hoch stieg. Carmen begann zu zittern.
„Angst?“, Ninnis Stimme klang rauh.
„Kalt.“

Endlich kroch die Sonne über die Hügel, trocknete das Gras und die Kleidung. Hinter ihnen füllte sich die Aue. Ganze Familien ließen sich mit Picknickkörben nieder. Zwischen den ausgebreiteten Decken spielten Kinder Fangen. Schließlich kamen auch die Mitglieder des Hohen Rates. Ihre Kutschen bildeten einen zweiten Ring um den Blutstein. Der Hochrichter traf als letzter ein. Er war ganz in rot gekleidet. Rot waren auch die Schabracke und die Zügel seines Pferdes. Rote Wimpel flatterten an den Lanzen der vier Knechte, die ihn begleiteten. Ein Raunen stieg aus der Menge auf, als er zwischen den Kutschen erschien und begleitete ihn, bis er sein Pferd vor dem Blutstein zum Stehen brachte. Für einen Moment verstummte jedes Gespräch, um dann um so lauter fortgeführt zu werden.
„Rot,“ sagte Ninni. „Jetzt kann es nicht mehr lange dauern.“
Carmen nickte und warf einen Blick zurück zu den Kutschen. Dort, wo der Hochrichter erschienen war zeichnete sich im Gras eine dünne Doppelspur ab. Ein kaum erkennbarer Pfad, der an der Furt begann und am Blutstein endete. Der Karrenpfad. Es brachte Unglück darauf zu treten und so war er auch jetzt, wo die Aue voller Menschen war, frei. Carmens Blick wanderte weiter über die Menge zu den Ess-Ständen, an denen Grillwürste, kleine Pasteten, gebackener Fisch und honigsüße Krapfen angeboten wurden. Bei dem Gedanken an Essen würgte es sie.

Eine alte Frau kam mit dem Ruf „Bänder, rote Bänder!“ auf sie zu.
Ninni winkte. „Ich nehme eins. Du auch, oder?“
Bevor Carmen etwas erwidern konnte, hatte Ninni schon zwei Bänder gekauft und drückte ihr eines davon in die Hand. „Ich hoffe nur, dass sie es ihm nicht zu leicht machen.“
Ihr Lächeln erinnerte Carmen an ein Zähnefletschen.

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