Nachtgespenster

Gestern hat mich Johanna besucht. Ich war schon fast eingeschlafen, als sie plötzlich auftauchte.
„Du vernachlässigst uns!“, warf sie mir vor. „Erst kümmerste dich nur noch um diese Broonagh und jetzt … Nichts! Kein Wort mehr! Broonagh ist übrigens auch ziemlich gnatschig, hab‘ ich gehört. Nicht, dass wir groß Umgang miteinander haben. Aber man sagt, dass du sie genauso abserviert hast, wie uns.“
Sie ist nicht besonders groß und dazu noch ziemlich schmal. Hinnerk meinte mal, sie sähe aus, wie das arme Mädchen, das die Kleider der älteren Stiefschwestern auftragen muss. Aber wie sie da stand, die Arme in die Seiten gestemmt, die Brauen zusammengezogen und das Kinn vorgereckt, wirkte sie doch ziemlich beeindruckend.
Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich ziemlich viel zu tun hätte. Familie, Haushalt, Verein und dann noch das Lektorat, aber sie wollte nichts davon wissen.
„Vertell nich so’n Schiet! So wie du mich schuften lässt … Da wirste doch irgendwo auch ’n Eckchen Zeit zum Schreiben abzwacken können.“

Weg war sie. Ich denke, sie hat recht. Wenn mich meine Figuren schon heimsuchen, ist das wohl ein deutliches Zeichen, dass ich mir wieder mehr Zeit zum Schreiben nehmen sollte.
Auch, wenn meine Kinder gerade lautstark verlangen, dass ich endlich mit ihnen Schilde bemahlen soll …

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