Olle Kamellen?

Wie schon gesagt, will ich das Nibelungenlied zum Gegenstand meines NaNoWriMo Romans machen. Warum ich über eine so alte Geschichte schreibe? Ist es nicht unsinnig, ein Thema aufzugreifen, an dem sich schon viele andere abgearbeitet haben? Wo es in unserer Zeit gibt es doch so viele spannende, drängende und wichtige Themen gibt, über die es sich zu schreiben lohnt: Von Artensterben, Blutdiamanten und Chemieunfällen über Multis und Obdachlosigkeit bis hin zu zivilem Ungehorsam. Muss man sich nicht damit befassen?

Ja, muss man. Aber ich bin nicht man. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass den ausgebeuteten brasilianischen Goldsuchern geholfen wäre, wenn ich über sie schriebe. Selbst bei Obdachlosen, misshandelten Kindern oder Versuchstieren habe ich so meine Zweifel. Natürlich ist es ehrenhaft, über solche Probleme zu schreiben – so lange man es mit Respekt tut und nicht nur, um durch den voyeuristischen Kitzel die Auflagenzahl in die Höhe zu treiben. Aber wer wirklich etwas dagegen tun will, muss sich anderweitig engagieren.

Ich schreibe über Menschen und ihr Verhalten und ich schreibe, um zu unterhalten. Ich möchte Geschichten erzählen, die den Leser nicht loslassen. Geschichten, die man inhalieren möchte und aus denen man mit einem leisen Seufzen wieder auftaucht. Nicht notwendigerweise, weil sie so herzzerreißend schön waren (ich schätze herzzerreißend schöne Geschichten nicht sonderlich), sondern weil sie in eine wundersame, fremde Welt entführen, nach deren Besuch sich die Realität fremd anfühlt.
Nun lassen sich solche Geschichten auch in der Gegenwart finden. Aber ich bin nunmal über diese hier gestolpert und sie lässt mich nicht los. Außerdem sind Habgier und Eifersucht, Liebe und Verrat universelle Themen, die nie ihre Aktualität verlieren. Und vielleicht ist sogar die Zahl der Bearbeitungen des Nibelungenstoffs, die Tatsache, dass die Geschichte sich bis hoch nach Island und bis in die Mongolei verbreitet hat, ein Beleg für ihr Potential.

Ich jedenfalls bin der festen Überzeugung, dass sie immer noch spannend ist – und obwohl ich mich sehr eng an die Vorlage halten werde, plane ich keine reine Nacherzählung. Da ich eine andere Perspektive einnehme, ist auch das Ende anders. Logisch.

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